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Der aktuelle HSH-Faktencheck:

Infrarotheizungen auf dem Prüfstand

Die Infrarotheizung: Sie verspricht uns das Blaue vom Himmel herunter. Doch wer sich vorab nicht richtig informiert, kann mit ihr auch sein blaues Wunder erleben. Lesen Sie hier: wie sparsam, behaglich und umweltfreundlich die Infrarotheizung wirklich ist und wann sie zur Kostenfalle wird.

Perfekt getarnt als Spiegel, Bilder oder Designelemente hängen sie an den Wänden oder strahlen von der Decke: moderne Infrarotheizungen werden aktuell österreichweit von Häuslbauern und Sanierern stärker nachgefragt als je zuvor. Grund genug für uns, die Infrarotheizung auf den Prüfstand zu schicken. Sie ist nämlich nicht immer die beste Wahl und kann trotz ausgesprochen günstiger Anschaffungskosten schnell zur Kostenfalle werden. Bevor wir aber näher auf die Kosten eingehen, werfen wir einen kurzen Blick auf die Anfänge der Elektroheizung und auf das Prinzip der Infrarotheizung.

Vom Boom der Elektroheizungen bis zum Ölpreisschock

Alle marktüblichen Infrarotheizungen sind grundsätzlich Elektroheizungen. Sie verwenden also elektrischen Strom als Energieträger und wandeln diesen in Wärme um. Im Grunde sind Stromheizungen natürlich nichts Neues. Es gibt sie bereits seit der Mitte des 20. Jahrhunderts. Ihren ersten Boom erlebten sie in der Blütezeit der Atomkraftwerke, als Nachtspeicherheizungen modern waren. Strom (insbesondere Nachtstrom) war damals besonders günstig zu haben. Das sollte sich mit dem Ölpreisschock 1973 und dem damit verbundenen Anstieg der Energiepreise schlagartig ändern. Quasi über Nacht wurde die Elektroheizung zu einer der teuersten Heizvarianten – und blieb es bis heute. Trotzdem versprechen uns Werbeslogans, die Infrarotheizung wäre „die sparsamste Heizung im ganzen Land“ oder „attraktiv, wirtschaftlich, einfach angenehm“. Was also steckt dahinter? 

Im Prinzip sehr günstige Anschaffungskosten

Infrarotheizungen gibt es in vielerlei Formen, Farben und Designs: mal als Spiegel, mal als einfärbige Platte, mal als dekoratives Bildmotiv. Meist sind diese elektrischen Widerstandsheizungen als Paneele ausgeführt, die einfach an die Wand oder an die Decke geschraubt und ans Stromnetz angeschlossen werden. Dreht man die Heizung auf, erhitzt sich die Vorderseite der Paneele auf ca. 80 bis 100 Grad Celsius. Diese Wärme gelangt dann teilweise über Wärmestrahlung (Infrarotstrahlung) und teilweise über Konvektion (Erwärmung der vorbeiströmenden Luft) in den Raum. Der größte Vorteil dieser Heizungsvariante ist, dass die Wärmeverteilung unmittelbar erfolgt. Es sind also keine aufwändigen Installationen nötig. Platten anschrauben, Regelung einrichten, alles zusammen an das Hausnetz anschließen – fertig. Das macht die Infrarotheizung in der Anschaffung sehr günstig. Auch fallen keine Wartungs- oder Instandhaltungskosten an. 

Wie aber ist das mit den Betriebskosten? 

Infrarotheizungen verwenden die hochwertigste und teuerste Energieform, die uns zur Verfügung steht: elektrischen Strom. Wir haben Anschaffungskosten und Betriebskosten nachgerechnet und mit anderen Heizsystemen verglichen. Um beispielsweise ein neu gebautes Niedrigenergiehaus mit 130 m² Fläche zu beheizen, verbraucht die Infrarotheizung jährlich Strom im Wert von rund 1.300 € (Details siehe untenstehende Tabelle bzw. Grafik). Innerhalb weniger Jahre fressen die Betriebskosten die Kostenvorteile der Anschaffung auf. Ab dann wird draufgezahlt. In unserem zweiten Beispiel, einem Altbau mit 150 m², wird dieser Umstand noch deutlicher.

Also: ACHTUNG KOSTENFALLE! Die generelle Behauptung, dass man mit Infrarotheizungen Geld spart, ist schlichtweg falsch. Es gibt allerdings Fälle, in denen das Heizen mit Infrarot trotzdem Sinn machen kann (die finden Sie am Ende des Artikels).

Infrarotheizungen sorgen für mehr Behaglichkeit. Stimmt das?

Generell produzieren Heizsysteme immer zwei Arten von Wärme. Zum einen ist das die Strahlungswärme, die wir Menschen als besonders angenehm empfinden. Sie erwärmt Haut, Wände und Oberflächen direkt (Sonnenstrahlen funktionieren nach demselben Prinzip). Zum anderen ist das die Konvektionswärme. Sie erwärmt die Umgebungsluft, die an der Heizfläche vorbeiströmt. Je nach Heizsystem sind die Anteile an Strahlungs- und Konvektionswärme recht unterschiedlich. Die Infrarotheizung wirbt mit einem hohen Anteil an Strahlungswärme (25-60 %), der für ein deutliches Mehr an Behaglichkeit sorgt. Fakt ist, dass auch andere Heizsysteme hohe Anteile an Strahlungswärme abgeben. Während Plattenheizkörper bei Werten zwischen 20 und 50 % liegen, erreichen Flächenheizungen wie Fußboden- oder Wandheizungen noch höhere Strahlungsanteile. Der vermeintliche Behaglichkeitsvorteil der Infrarotheizung relativiert sich.

Die Behauptung, dass Infrarotheizungen für mehr Behaglichkeit sorgen, stimmt bedingt. Im Vergleich mit anderen Heizsystemen schneiden sie nicht zwangsläufig besser ab.

Der Strahlungsanteil unterschiedlicher Heizsysteme im Überblick Quelle: Ratgeber Stromheizung und Infrarotheizung, Energie- und Umweltagentur Niederösterreich

Wie umweltfreundlich sind Infrarotheizungen?

Der Strom in Österreich ist im internationalen Vergleich relativ grün. Der hohe Anteil an Wasserkraft sorgt über das Jahr verteilt für vergleichsweise umweltfreundlich erzeugte elektrische Energie. In der Heizperiode sind die Pegelstände der Flüsse allerdings niedrig und der im Lande produzierte grüne Strom reicht bei weitem nicht aus. Der Bedarf muss über eigene kalorische Kraftwerke und Energieimporte, die fast ausschließlich aus Gas-, Kohle- oder Atomkraftwerken stammen, gedeckt werden. Bei einem Blick auf die folgende Grafik wird deutlich, dass die roten (eigene kalorische Kraftwerke) und die orangen (Energieimporte) Balken in den Wintermonaten sehr hoch sind. Im Jahresschnitt werden pro kWh Strom 276 Gramm CO2 in die Atmosphäre geblasen. In der Heizperiode sind es sogar 350 bis 420 Gramm CO2 pro kWh. Die Werte von Pelletsheizungen (32 Gramm CO2 pro kWh) und Stückholzheizungen (8 Gramm CO2 pro kWh) sind wesentlich niedriger.

Wer in den Wintermonaten Strom aus dem öffentlichen Netz verheizt, ist alles andere als umweltfreundlich unterwegs. Die Behauptung, Infrarotheizungen wären besonders umweltschonend, ist daher falsch.

Elektrizitätsbilanz 2017 in Gigawattstunden Quelle: Statistikbroschüre 2018; E-Control: Energie-Control Austria für die Regulierung der Elektrizitäts- und Erdgaswirtschaft

Wie sieht es mit der Umweltfreundlichkeit aus, wenn der Strom von der eigenen PV-Anlage kommt?

Eine eigene Photovoltaikanlage zur Eigenproduktion von Sonnenstrom ist in diesem Fall leider keine zufriedenstellende Lösung. Die Sonnenerträge sind in der Heizperiode eher gering und im Winter muss in der Regel zusätzlich Strom aus dem öffentlichen Netz zugekauft werden. Das verdeutlicht untenstehende Grafik, die den Stromverbrauch eines strombeheizten Gebäudes mit der Stromerzeugung einer handelsüblichen PV-Anlage vergleicht. Eine PV-Anlage bringt also keine wesentliche Verbesserung. Wer garantiert umweltfreundlichen Strom beziehen möchte, hat aber noch die Möglichkeit, auf echten österreichischen Ökostrom umzusteigen. Mehr dazu finden Sie auch in unserem Artikel „Der HSH-Ökostromtarif“.

Photovoltaikertrag einer Anlage mit 5 kWp Stromverbrauch in einem elektrisch beheizten Einfamilienhaus mit 150 m² Fläche

Wann macht die Infrarotheizung dann überhaupt Sinn?

Es gibt einige Einsatzbereiche, in denen die Vorteile der Infrarotheizung überwiegen. Sie kann zum Beispiel in Einfamilienhäusern mit einem äußerst niedrigen Heizwärmebedarf (<10 kWh/m²a, zumindest Passivhausstandard) als Hauptheizsystem gute Figur machen. Sie ist auch eine zweckmäßige Heizvariante für Räume, die man nur sporadisch und an wenigen Tagen im Jahr heizt (z. B. Hobbyräume). Außerdem ist sie eine gute Zusatzheizung für Räume, in denen man mit dem bestehenden Heizsystem an seine Grenzen stößt. In der Sanierung kann es Sinn machen, auf die Infrarotheizung zurückzugreifen, wenn keine wassergeführten Heizungen möglich sind oder die Kosten für eine solche enorm sind. Dabei ist aber unbedingt auf eine ausgezeichnete Dämmung zu achten.

Abschließend noch ein paar Überlegungen extra

  • Infrarotplatten haben eine Oberflächentemperatur von 80 bis 100 Grad Celsius; Vorsicht wegen Verbrennungsgefahr ist geboten.
  • Eine einseitige Bestrahlung sollte generell vermieden werden, weil es sonst zum Lagerfeuereffekt (vorne heiß und hinten kalt) kommt.
  • Die Strahlungswärme muss sich ungehindert ausbreiten können, um zu wirken. Möbel und Einrichtungsgegenstände sollten so aufgestellt werden, dass so viel Raum wie möglich rund um die Infrarotplatten frei bleibt – und die Verschattung auf ein Minimum reduziert wird.
  • Benutzen Sie eine Infrarotheizung als Hauptheizsystem, müssen Sie ein eigenes System für die Warmwassererzeugung einplanen. 
  • Die Infrarotheizung ist in einigen österreichischen Bundesländern als Hauptheizsystem gar nicht bzw. nur in bestimmten Fällen zugelassen. Bitte informieren Sie sich vorab, ob das für Ihr Bundesland zutrifft.
    Ihr HSH-Installatör hilft Ihnen gerne weiter.

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